Samstag, 24. Juni 2017
Marktgasse St.Gallen
10.00 – 17.00 Uhr

Ich heisse Gordana und habe die Augenkrankheit Retinitis Pigmentosa (Tunnelblick). Da mein Gesichtsfeld sehr eingeschränkt ist, finde ich mich schlecht zu Recht. Ich übersehe sehr vieles, bin nachtblind und bei Sonnenschein oder Schnee sehe ich gar nichts.
Nach meinem Mobilitätstraining konnte ich mich mit dem Blindenstock nicht anfreunden. So kam ich zu der Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundschule (OBS).
Nach dem ersten Besuch stand schon für mich fest, dass ich an der richtigen Schule bin. Ich fühlte mich gleich gut aufgehoben.
So lernte ich Kaja kennen, eine Golden x Labradorhündin. Wir freundeten uns gleich an und Kaja brachte wieder ein bisschen Licht in mein Leben. Nach der Einführungswoche, in der ich und Kaja uns kennenlernten und eine Bindung aufbauten, stand für mich fest, dass ich keinen anderen Hund haben möchte. Unter der Anleitung von J. Moreno klappte alles super mit uns. Auf mich kamen viele neue und aufregende Aufgaben zu, da es auch mein erster Blindenführhund ist. Aber mit Kaja war das kein Problem.
Ich lernte auch die Patenfamilie von Kaja kennen, bei der ich mich auch bedanken möchte, weil sie eine tolle Arbeit gemacht hat.
Ich bekam gezeigt wie man mit dem Geschirr läuft und für mich war es sehr schön. Ich überliess Kaja die Führung und sie machte das echt super. Endlich kann ich entspannt durch die Strassen gehen, ohne gegen etwas zu stossen, selbst in Städten, die ich nicht kenne. Sie führt mich geschickt um Hindernisse, geht Menschen aus dem Weg und zeigt mir Zebras und Ampeln an. Wir sind mittlerweile ein richtig gutes Team geworden.
Ich habe ein Stück Leben mit ihr wieder gefunden.
Kaja ist ein fester Bestandteil meines Lebens geworden.

Nachdem ich meine erste Führhündin Withney auf Grund einer schweren Krankheit vor einem Jahr verloren habe, begann für mich eine schwierige Zeit.
Aus gesundheitlichen Gründen muss ich täglich mindestens eine Stunde laufen, was mit dem weissen Stock eine äusserst mühsame Angelegenheit ist. So sah ich mich veranlasst, meine tägliche Marschstunde auf unsere private Quartierstrasse zu beschränken. Sehnsüchtig wartete ich darauf, einen neuen Führhund zu bekommen. Im Oktober erhielt ich die freudige Nachricht, dass Onis, eine graue Königspudelhündin, die Ausbildung erfolgreich mit der Leistungsprüfung bestanden hatte und Jorge M., der Instruktor, sie mir vorbeibringen würde. Am nächsten Tag begann der Einführungslehrgang und Onis stellte sich für mich rasch als zuverlässige und vertrauensvolle Führerin heraus. Seitdem fühle ich mich wieder frei und unabhängig und kann mit Onis die Gegend erkunden! Ich bin sehr glücklich, Onis an meiner Seite zu haben, sie ist einfach fantastisch!
Walter A.


 

 

Anfang Mai bin ich voller Vorfreude und total gespannt in die Schweiz zur Stiftung Ostschweizerische Blindenführhundeschule (OBS) gefahren, um die Einarbeitung mit meinem ersten Blindenführhund zu beginnen. Dort angekommen habe ich Lumas übergeben bekommen und wir konnten uns erstmal kennenlernen. Der Start war für uns beide anspruchsvoll. Für mich war es nicht einfach, da es mein erster Führhund ist und ich nicht genau abschätzen konnte, was auf mich zukommt. Unserem Instruktor Jorge Moreno war es zunächst wichtig, dass wir eine starke Bindung und ein gutes Vertrauen zueinander aufbauen. Daher haben wir erstmal viele Übungen gemacht, die dies fördern.

 

Anfangs hat mich die neue Situation, mit einem Blindenführhund unterwegs zu sein, vor ganz neue Aufgaben gestellt. Am dritten Tag habe ich dann Lumas Patenfamilie kennengelernt. Es hat mich bestätigt und motiviert von der Patenfamilie zu hören, was Lumas für eine tolle Hündin ist. Sie haben mir gleich gesagt, dass Lumas noch etwas Zeit braucht bis sie weiss, wo sie hin gehört. Sie sei eine total liebe, offene, verspielte und zuverlässige Hündin, die einem hundertfach zurückgibt, was man ihr gibt. Dadurch war ich motiviert mit Lumas ein Team zu werden.

 

Als ich dann das erste Mal mit Lumas im Führgeschirr laufen durfte, habe ich direkt gespürt, wie toll es ist, so zuverlässig geführt zu werden. Es ist einfach etwas ganz anderes von einem Hund geführt zu werden, anstatt sich selber mit dem Stock durchzukämpfen. Überall hängen zu bleiben und alles selber suchen zu müssen. Natürlich war am Anfang sehr viel Übung notwendig und es ist auch mal das Ein oder Andere schiefgegangen. So stand ich beispielsweise einmal mitten in einer Wiese und musste mir von Anderen helfen lassen den richtigen Weg wieder zu finden.

 

Im Laufe der Zeit sind wir aber ein gut eingespieltes Team geworden. Einerseits haben wir sehr viel zusammen geübt, andererseits habe ich Lumas aber auch immer und überall mit hin genommen. So war sie beispielsweise mit mir und den Kindern im Kino, im Zoo, am Bodensee beim Tretbootfahren, beim Kegeln oder beim Minigolfen etc. dabei. Ich habe schnell festgestellt, dass sie sehr gelassen mit solchen Situationen umgeht und sich nicht stressen lässt. Lumas ist für mich eine total aufgeschlossene, verspielte Hündin, die aber auch ihren Job total ernst nimmt und zuverlässig macht. Sie macht die Führarbeit total super. So muss man ihr meistens einen neuen Weg nur einmal zeigen und sie kann ihn und läuft ihn das nächste Mal schon selbständig. Andererseits merkt man auch im Freilauf, dass es ihr total Spass macht einfach auch Hund sein zu dürfen, mit anderen Hunden zu spielen, im Wasser zu baden oder einfach nur im Wald zu toben und mit Stöcken zu spielen.

 

Schon jetzt, nach vier Monaten, kann ich mir nicht mehr vorstellen ohne Hund zu laufen. Lumas ist jetzt schon ein festes Mitglied unserer Familie geworden und wir würden sie nie wieder hergeben wollen!

 

Neu in der Patenfamilie:
Im November ist Aiko, ein selbstsicherer Labrador Golden Retrieverwelpe bei seiner Patenfamilie eingezogen. Schön an der Leine laufen, sich im Rinnstein auf Befehl versäubern oder sich im Haus gesittet verhalten, das sind nur einige der Erziehungsaufgaben, die dem Junghund im ersten Jahr durch die Patenfamilien beigebracht werden. Der angehende Blindenführhund wird mit verschiedenen Menschen, anderen Hunden und Tieren sozialisiert und lernt ganz unterschiedliche Umweltmuster kennen, damit er mit ca. 1 1/2 Jahren als sicherer, gelassener Vierbeiner mit der eigentlichen Ausbildung in der Blindenführhundeschule beginnen kann.